NBTHK Tokubetsu Nihonto – Die Bedeutung des gefragten Titels für japanische Schwerter

MBTHK Tokubetsu Nihonto Zertifikat

Inhaltsübersicht

Tokubetsu ist eine Bewertung für authentische Schwerter aus Japan im international anerkannten System der NBTHK. Die NBTHK ist die angesehenste Institution im Zusammenhang mit Einstufungen von Nihonto (Schwerter aus Japan). Manchmal wird der Begriff auch mit Toku abgekürzt.

In dem Bewertungssystem mit den aufsteigenden Stufen

bildet die Stufe die zweite und im weiteren Sinne auch die vierte und damit höchste Stufe. Weiter unten wird der bedeutende Unterschied zwischen Tokubetsu Hozon und Tokubetsu Juyo erklärt. Für Basisinformationen über die NBTHK und das Bewertungssystem empfehlen wir unseren Beitrag über NBTHK Hozon.

Die Basisinformationen aus dem Hozon Beitrag werden in diesem Beitrag größtenteils nicht wiederholt. Der Schwerpunkt wird auf der Klasse Tokubetsu liegen.

Voraussetzung für NBTHK Tokubetsu für ein Schwert aus Japan

1. Echtheit

  • Die Klinge muss zweifelsfrei authentisch sein.
  • Wenn signiert, darf die Signatur nicht falsch (gimei) sein.
  • Es muss eine Arbeit aus einer renommierten Schule oder mit einer angesehenen Signatur sein

2. Zustand der Klinge

  • Die Klinge muss sich in sehr gutem, polierten Zustand befinden.
  • Mit überdurchschnittlichem Erhaltungszustand
  • Keinesfalls Beschädigungen wie:
    • tiefe Rostnarben
    • Hagire (Riss in der Schneide)
    • große Ausbrüche
    • starker Materialverlust durch nachträgliche Bearbeitung

3. Handwerkliche Qualität

Das Schwert muss qualitativ klar überdurchschnittlich sein mit besonders hoher Qualität in:

  • Hada
  • Hamon
  • Form und Ausführung

4. Historische und künstlerische Bedeutung

  • Wichtig in historischer oder künstlerischer Hinsicht
  • Starke historische Bedeutung oder Zuordenbarkeit
  • Gesamterscheinung muss den „besonderen Wert“ rechtfertigen

5. Keine verbotenen Modernisierungen

  • Keine modernen Aufarbeitungen an der Nakago
  • Keine künstlich gealterten Merkmale
  • Kein modern gefertigtes Shinsakutō, das die Kriterien nicht erfüllt

Hinweis zur Veränderung des Zustands von Nihonto

Wie oben beschrieben ist das Ausstellen von Papieren an einen gewissen Erhaltungszustand des Schwertes gebunden. Dieser Zustand wird zusammen mit den anderen Kriterien zum Zeitpunkt der Prüfung durch das Ausstellen von Papieren bestätigt.

Allerdings bleibt der Zustand einer Klinge unter Umständen nicht der gleiche, wie zum Ausstellungszeitpunkt der Papiere. Gerade bei sehr günstigen Schwertern mit Papieren ist häufig eine Verschlechterung des Zustands nach dem Ausstellen der Papiere eingetreten.

Warum es zwei Zertifizierungen mit der Bezeichnung Tokubetsu gibt

Tokubetsu steht übersetzt für „besonders“. Dieses Adverb wird im NBTHK System bei zwei Stufen vorangestellt, um die besondere Hochwertigkeit der jeweiligen Klinge zu bestätigen.

Tokubetsu Hozon

Bedeutet besonders erhaltenswert. Im Stufensystem bildet es zusammen mit Hozon die Grundstufen, in denen geprüft wird ob es sich grundsätzlich um ein erhaltenswertes Stück (Hozon) handelt oder sogar um eine besonders erhaltenswerte Arbeit, Tokubetsu Hozon eben.

Tokubetsu Juyo

Trotz eines „ähnlichen“ Namens ist Toku Juyo eine ganz andere Klasse. Es ist die oberste Klasse. Um diesen Status zu erhalten, muss eine Klinge erst als Toku Hozon anerkannt werden, danach die Juyo Stufe absolvieren und dann unter den ohnehin sehr hochwertigen Juyo noch die Sonderstellung Tokubetsu Juyo erhalten.

Insgesamt existieren weltweit nur etwas über 1000 Werke mit dieser Einstufung. Über Juyo und Toku Juyo haben wir einen eigenen Beitrag über NBTHK Juyo Nihonto.

Wie sieht ein echtes NBTK Tokubetsu Hozon Zertifikat für Nihonto aus?

Ein echtes Zertifikat wird nach erfolgtem Shinsa (Schwert-Prüfung durch Sachverständige der Gesellschaft). Das heutige System dafür besteht seit dem Jahr 1982.

MBTHK Tokubetsu Nihonto Zertifikat

1. NBTHK Tokubetsu Hozon Zertifikate haben einen orangefarbenen Umschlag

Jedes NBTHK Zertifikat ist in einem entsprechende Umschlag verpackt, der bei Tokubetsu Papieren eine orangene Farbe hat. Auf der Vorderseite steht in japanischen Schriftzeichen, dass es sich im ein Gutachten für ein japanisches Schwert oder Schwertzubehör handelt. Auf der Rückseite steht, dass es sich um ein Dokument der Gesellschaft handelt und welche Zweigstelle die Papiere ausgestellt hat.

NBTHK Tokubetsu Umschlag
NBTHK Tokubetsu Umschlag

2. Tokubetsu Zertifikate sind auf orangefarbenen Papier

Die Papier-Farbe für NBTHK Tokubetsu Zertifikate ist Orange-Gelb (dunkler als Hozon Papiere). Allerdings kann sich der Farbton von Charge zu Charge unterscheiden und mit der Zeit altert das Papier und sieht etwas dunkler aus als komplett neu ausgestellte Papiere.

3. Das Zertifikat ist 3-fach gefaltet

In dem Umschlag befindet sich das Zertifikat mit 3 Falzrändern. Diese Methode führt zu der alternativen Benennung als Origami für die Zertifikate. Ein Name, der bei uns auch im Zusammenhang mit der japanischen Kunst des Papierfaltens bekannt ist.

Tokubetsu Hozon ist nicht gleich Tokubetsu Hozon!

Schnell fällt dem interessierten Sammler auf, dass es innerhalb von der Bewertung Tokubetsu sehr große Preisunterschiede bestehen. Das liegt zum einen natürlich in den unterschiedlichen Qualitäten innerhalb der Stufe. Aber auch folgende Informationen sind wichtig.

Strenger werdende Kriterien

Allgemein sollte im Zusammenhang mit NBTHK Papieren beachtet werden, dass die Ausstellungskriterien über die Jahre immer strenger ausgelegt wurden. Jüngere Papiere sind deshalb unter Sammlern häufig höher angesehen als ältere Papiere und zum Teil würden Schwerter heute nicht mehr die gleiche Zertifizierung erhalten, die sie mal erhalten haben.

Vorstufe zu Juyo Papieren

Toku bildet die Basis für Klingen, die später Juyo Papiere bekommen können. Schwerter, die für den Juyo Status qualifiziert scheinen, werden häufig schon vorher mit entsprechenden Preisen gehandelt.

Dadurch gibt es entsprechend hochpreisige Exemplare mit diesen Papieren. Bei Sammler sind gerade diese Exemplare beliebt, da vielen davon träumen irgendwann mal ein Schwert in den Juyo Status überführen zu können.

Besonderer Status von grünen Tokubetsu Papieren

Ebenfalls auffällig ist, dass Schwerter mit grünen und blauen Papieren häufig sehr günstig am Markt erhältlich sind.

Grüne Papiere existieren schon seit 1950 und früher wurden die Vergabekriterien weitaus lockerer ausgelegt. Aber bei diesen Papieren existieren weitere Besonderheiten.

Yakuza-Einfluss auf die Bewertung von japanischen Schwertern?

Dazu kommt ein „Skandal“, der sich in den frühen 1980er Jahren stattgefunden hat. Damals wurde aufgedeckt, dass Mitglieder der lokalen, organisierten Kriminalität Einfluss auf die Emission von Papieren genommen hatten.

Viele Papiere wurden mit falschen Zuordnungen ausgestellt mit dem Ziel für Klingen niedriger Qualität hohe Verkaufspreise zu ermöglichen. Die Manipulation ist irgendwann aufgeflogen und die beteiligten Personen wurden verhaftet.
Aber es bleib unklar, wie viele und welche Dokumente betroffen waren.

Heute findet man Schwerter mit solchen Papieren haufenweise zu vergleichsweise günstigen Preisen im Internet.
Allerdings tritt dann beim Wiederverkauf in der Regel das Problem auf, dass niemand zu finden ist, der den gleichen Preis bezahlen möchte.

Die niedrige Zuverlässigkeit der Papiere aus dieser Epoche ist allgemein bekannt und viele Sammler trauen grünen und blauen Papieren deshalb nicht und machen einen Bogen um solche Schwerter.

Viele Schwerter haben deshalb neue Papiere bekommen

Die eben beschriebene Situation war gerüchteweise der Auslöser für die Überarbeitung des NBTHK Systems im Jahr 1982.

Für Schwerter, die wirklich besonders erhaltenswert sind, haben die Besitzer in der Regel nach der Umstellung neue Papiere ausstellen lassen, um den Wert der Arbeit zu bestätigen.

Im Umkehrschluss lässt sich sagen, dass die meisten Exemplare mit grünen Papieren, die keine orangenen Papiere bekommen haben, wahrscheinlich eine falsche Zuordnung in den grünen Papieren erhalten haben. Im Einzelfall mag das natürlich auch nicht stimmen, aber die allgemeine Situation sollte bei einer Kaufentscheidung berücksichtigt werden.

Es ist wahrscheinlicher, dass eine falsche Zuordnung in solchen Papieren steht, als dass man das Schnäppchen seines Lebens macht. Das gilt besonders im Zusammenhang mit großen Namen aus der Geschichte der japanischen Schwertschmiedekunst.

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